Von Peter Lahr
Gundelsheim. Vor rund 50 Jahren konstruierte Erich Bachem seinen ersten Klein-Wohnwagen. Er gab diesem nicht nur sein Namenskürzel mit auf den Weg, sondern schuf einen “Camping-Klassiker“, der bis heute viele Freunde hat. Dieser Tage konnten die ungläubigen Besucher 67 Eriba-Gespanne auf dem Gundelsheimer Campingplatz bestaunen. Zum dritten deutschlandweiten Eriba-Puck-Treffen waren aber auch nicht weniger sehenswerte Zugmaschinen zu sehen: Die Wohnwagen von 1958 bis heute wurden von Ente, Käfer, DKW und Borgward gezogen. Im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung beschrieb Dieter Seemaier das ganz spezielle Eriba-Lebensgefühl.
Beim Rundgang über die kleine Wohnwagen-Stadt gerät der Heilbronner Initiator des Eriba-Treffens sichtlich ins Schwärmen. Grund hierfür bieten nicht nur die heimeligen kleinen Wohnwagen, sondern auch die vierrädrigen Raritäten, mit denen die Teilnehmer angereist sind. Ente und Käfer sind fast schon “Standard“, doch dazwischen gibt es Buggys, Jeeps und einen “Brezel-Käfer“ zu entdecken. Ein DKW-Zweitakter, Baujahr 1956, kam aus Siegen im Sauerland ins Neckartal angereist. Die weiteste Anfahrt aber haben zwei Holländerinnen hinter sich, die “von kurz vor der Nordsee“ nach Gundelsheim gestartet sind.
Zwar sei das Reisen mit dem Eriba “ganz normal“, lässt Dieter Seemaier wissen. Doch für eilige Zeitgenossen empfiehlt sich eher ein anderes Fortbewegungsmittel. Mit Hänger darf man auf deutschen Autobahnen nur mit maximal 80 Stundenkilometer unterwegs sein. Doch Seemaier nimmt das ganze gelassen: “Der Weg ist das Ziel“, beschreibt er seine ganze persönliche Eriba-Philosophie. Und wenn der Fahrer nach 5 Stunden gemächlicher Fahrt müde wird, steuert er einen Autobahn-nahen Campingplatz an.
Vor 6 Jahren lud Seemaier, der in Eigenregie die “Puck-Interessengemeinschaft“ ins Leben gerufen hat und an 300 Interessierte in ganz Europa zweimal jährlich Info-Rundbriefe verschickt, zum ersten Puck-Treffen nach Gundelsheim ein. Seitdem trifft man sich alle zwei Jahre auf dem Neckarvorland.
Zunächst war der Organisator selbst darüber erstaunt, dass die meisten der Angereisten gar kein großes Programm wollten. Stattdessen war “Klönen“ und Fachsimpeln angesagt. Viel Interesse gilt bei den Eriba-Freunden naturgemäß der Beschaffung von Ersatzteilen. Denn obwohl die Firma HYMER im Zuge der Nostalgiewelle eine modernisierte “Puck 120“-Version herausgibt, sind Ersatzteile für Wohnwagen, die vor 1986 vom Band liefen, eher schwer zu bekommen. Besonders Verschleißteile wie Gummis oder Kleinteile wie Fensterverschlüsse werden immer wieder benötigt. Davon abgesehen sei der Eriba eher robust – so man ihn nicht als Hühnerhaus im Freien missbraucht oder Jahrzehnte unter Stroh in einer Scheune “vergisst“.
Um die Ersatzteilversorgung zu sichern, haben mittlerweile zwei Puck-Enthusiasten eine Eigenproduktion begonnen. “Eine Abzocke findet aber nicht statt“, versichert Seemaier, der vielmehr das Engagement und die Risikobereitschaft der beiden lobt. Sie hätten bisher in das Projekt viel Geld gesteckt, obwohl es mit Sicherheit dabei keine Reichtümer zu verdienen gebe.
Überhaupt gehe es in der Puck-Szene im Allgemeinen und in Gundelsheim im Besonderen eher familiär zu. Dazu passt, dass anders als bei anderen Auto-Nostalgie-Treffs hier 95 Prozent der Teilnehmer als Pärchen anreisen. Von Mitte 20 bis Mitte 60 reicht das Altersspektrum, und auch Kinder und Hunde gehören dazu.
Standesdünkel sei den Puck-Freunden ebenfalls fremd, versichert Seemaier, der selbst als Innenausstatter arbeitet. Vor sieben Jahren fand er “seinen“ Eriba-Wohnwagen, bei dem er außer den Bezügen und den Gardinen nicht viel erneuern musste.
Da der kleine Wohnwagen, der immerhin eine Liegefläche von 150 x 190 cm bietet, dazu Kühlschrank, Stauraum und Heizung, so leicht ist, kann er problemlos von Seemaiers Käfer Speedster, Baujahr 1970, gezogen werden. Als einzig Negatives beklagt der Eriba-Enthusiast die Preisentwicklung: Diese sei gerade in den vergangenen drei Jahren “negativ nach oben“ gegangen. Für einen Wohnwagen im brauchbaren Zustand müsse man heute schon an die 3.000 Euro bezahlen.
Parallel zum Eriba-Treffen fand in Gundelsheim das Jahrestreffen der “Gelb-Schwarzen Renner“ statt. Die Fahrer dieser Sonderedition des Käfers von 1973 besuchten u. a. das Porsche-Museum.
Interessierte Eriba-Freunde und solche, die es werden möchten, können sich bei Dieter Seemaier melden: Tel.: 07131/380470; E-Mail: Puckig@t-online.de; Homepage: www.eribapuck-ig.de
Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, Redaktion Mosbach