Konzernlagebericht
Geschäftsentwicklung
Mit einer Umsatzsteigerung um 1,7 % oder
12,8 Mio. Euro verzeichnet der HYMER-Konzern das geringste Wachstum seit vier
Jahren. Das Konzernergebnis nach Steuern liegt um 2,9 Mio. Euro unter dem Niveau
des Vorjahres. Ursache für diese wenig erfreuliche Entwicklung ist weder das
Marktumfeld noch eine mangelnde Nachfrage bzw. unbefriedigende
Auftragssituation. Ursache hierfür ist vielmehr eine Entwicklung, die in der
Caravaningbranche als einmalig bezeichnet werden muss und dafür verantwortlich
ist, dass das Geschäftsjahr 2005/06 für die Reisemobilhersteller somit zu einem
Jahr der besonderen Herausforderung wurde und gleichzeitig eine Weichenstellung
für die Unternehmensentwicklung der zukünftigen Jahre darstellt. Dabei muss
erwähnt werden, dass sich die Reisemobilbranche in der Vergangenheit als äußerst
flexibel und anpassungsfähig erwiesen hat und es gewohnt war,
Entwicklungsprozesse in kurzen Zeitintervallen durchzuführen.
Die nahezu
zeitgleiche Modellerneuerung bzw. Modellpflege der Basisfahrzeuge bei den
Herstellern Fiat, Ford, Iveco, Mercedes-Benz und Renault hat die
Reisemobilbranche gezwungen, innerhalb eines relativ kurzen Zeitkorridors eine
komplett neue Generation von Reisemobilen zu entwickeln. Neben den Anpassungen
der Aufbauten an die neuen Basisfahrzeuge galt es, gleichzeitig den
Anforderungen der nächsten Jahre bezüglich automotivem Design und Ausstattung
gerecht zu werden und ergänzend den Kunden mit Innovationen und sichtbaren
Produktverbesserungen für die eigene Marke zu gewinnen.
Sowohl
Chassis-Hersteller als auch Zulieferer waren teilweise nicht in der Lage, den
Konzernfirmen die notwendigen Materialien für die neue Reisemobilgeneration
zeitnah vor dem Produktionsstart zur Verfügung zu stellen. Die Folgen waren
ungeplante Produktionsausfälle in allen Produktionsstätten des Konzerns, hohe
Fahrzeugbestände zum Geschäftsjahresende und damit verbunden ein Absatz- und
Umsatzeinbruch im 4. Geschäftsquartal, der die bis zum 31. Mai 2006 anhaltend
gute und deutlich über Plan liegende Unternehmensentwicklung abrupt beendete.
Eine weitere Belastung des HYMERKonzerns ergab sich durch die extrem hohe Anzahl
der zu produzierenden Prototypen und der daraus abgeleiteten Nullserien als
Basis für die folgende Serienfertigung.
Die Beurteilung und Bewertung
des HYMERKonzerns sollte daher unseres Erachtens unter Berücksichtigung dieser
negativen Faktoren erfolgen.
Vom Gesamtumsatz des abgelaufenen Jahres in
Höhe von 762,8 Mio. Euro (Vj. 750,0 Mio. Euro) entfallen 252,4 Mio. Euro auf den
Inlandsverkauf. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 7,4 Mio. Euro
oder 2,9 %. Erfreulich war die Umsatzentwicklung beim Caravan, die sich um 3,8
Mio. Euro oder 11,2 % auf 38,0 Mio. Euro erhöht hat.
Die rückläufige
Entwicklung im Inland konnte durch eine Umsatzsteigerung im Export in Höhe von
20,2 Mio. Euro auf 510,4 Mio. Euro kompensiert werden.
Der
Caravanbereich hatte am Gesamtumsatz einen Anteil von 132,0 Mio. Euro, ein Plus
von 14,3 Mio. Euro oder 12,1 %. Die Reisemobile steuerten einen Anteil in Höhe
von 573,6 Mio. Euro (Vj. 574,0 Mio. Euro) bei, der Umsatzanteil der sonstigen
Umsätze betrug 57,2 Mio. Euro (Vj. 58,3 Mio. Euro).
Insgesamt basiert
dieses Umsatzvolumen auf einem Absatz von insgesamt 25.438 (Vj. 24.594)
Freizeitfahrzeugen, die sich in 11.355 (Vj. 10.758) Caravans und 14.083 (Vj.
13.836) Reisemobile aufteilen.
Die relativ geringfügige Umsatzsteigerung
hat nicht ausgereicht, die bereits geschilderten negativen Effekte nur annähernd
auszugleichen. Zusätzlich ergibt sich für den Konzern eine Ergebnisbelastung
aufgrund eines unbefriedigenden Ergebnisses der Hymer France S.A.S., das durch
unzureichende Produktivität und mangelhafte Prozesse verursacht wurde. Eine
weitere, wenn auch in der Unternehmensplanung berücksichtigte
Ergebnisverschlechterung ergibt sich durch die Vorlaufkosten des neuen
Produktionswerkes CAPRON (CAravanPROduktion Neustadt) in Höhe von 0,7 Mio. Euro.
Insgesamt ergibt sich unter Berücksichtigung der Einzelergebnisse der
HYMER AG, Hymer France S.A.S., Capron GmbH, Bürstner GmbH, Laika Caravans S.p.A.
und Movera GmbH für den HYMER-Konzern ein Ergebnis vor Ertragsteuern in Höhe von
44,2 Mio. Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Rückgang um 4,9 Mio. Euro
oder 10,0 %.
Ertragslage
Im Konzern ist
insbesondere aufgrund der Auslandsnachfrage die Gesamtleistung um 2,6 % bzw.
19,3 Mio. Euro gestiegen, was im Wesentlichen auf die Entwicklung bei HYMER und
Bürstner zurückzuführen ist. Zu den wichtigsten Exportländern gehören nach wie
vor Frankreich, Großbritannien, Italien und Niederlande.
Die im
Vorjahresvergleich um 5,0 Mio. Euro höheren Erträge aus der Aktivierung von
Eigenleistungen betreffen die aufgrund des Modellwechsels ausgeweiteten
Entwicklungskosten. Die Bestandsveränderung der Erzeugnisse hat mit 1,4 Mio.
Euro zur Erhöhung der Gesamtleistung beigetragen.
Die Personalkosten
sind geringfügig um 1,7 Mio. Euro auf 120,5 Mio. Euro gestiegen.
Durch
die Einführung der neuen Produkte ist auch bei den sonstigen betrieblichen
Aufwendungen gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg zu verzeichnen, sie erhöhten sich
um 2,8 Mio. Euro oder 5,2 % auf 56,4 Mio. Euro, die Quote im Verhältnis zur
Gesamtleistung stieg ebenfalls um 0,2 Prozentpunkte auf 7,2 %.
Obwohl
die Gesamtleistung gegenüber dem Vorjahr um 19,3 Mio. Euro gesteigert werden
konnte, verschlechterte sich das operative Ergebnis um 7,8 % oder 4,3 Mio. Euro
von 55,2 auf 50,9 Mio. Euro, da sich der Materialaufwand um 16,2 Mio. Euro
leicht überproportional erhöht hat. In diesem Betrag ist der Aufwand für
gewerbliche Leiharbeiter in Höhe von 9,1 Mio. Euro enthalten.
Das
Finanzergebnis veränderte sich um 9,3 % oder -0,6 Mio. Euro von -6,1 auf –6,7
Mio. Euro.
Die Ertragsteuern sind um 10,4 % bzw. 2,0 Mio. Euro niedriger
als im Vorjahr, was auf den Rückgang des Ergebnisses vor Ertragsteuern von 49,1
auf 44,2 Mio. Euro zurückzuführen ist. Demzufolge reduzierte sich das Ergebnis
nach Steuern um 2,9 Mio. Euro oder 9,7 % auf 27,1 Mio. Euro.
Vermögens- und Kapitalstruktur
Die Bilanzsumme
des Konzerns hat sich gegenüber dem Vorjahr um 35,0 Mio. Euro oder 9,0 % erhöht.
Die Erhöhung der langfristigen Vermögenswerte beruht auf einem
überproportionalen Anstieg bei den immateriellen Vermögenswerten um 121,3 %. Er
ergibt sich aus dem deutlich höheren Ansatz der aktivierten Entwicklungskosten,
die aufgrund des umfangreichen Modellwechsels verursacht wurden.
Die
Veränderung im übrigen Anlagevermögen um 17,7 Mio. Euro ist im Wesentlichen auf
zukunftssichernde Investitionen bei der HYMER AG in den Standort Bad Waldsee
zurückzuführen.
Das leicht gestiegene Geschäftsvolumen bewirkte eine
Erhöhung der kurzfristigen Vermögenswerte. Dies ist hauptsächlich auf den
Anstieg der Vorräte zurückzuführen, die Forderungen aus Lieferungen und
Leistungen konnten dagegen um fast 7,0 % reduziert werden. Der Bestand an
fertigen Erzeugnissen und Waren ist mit 89,5 Mio. Euro um 13,7 Mio. Euro höher
als im Vorjahr (Vj. 75,8 Mio. Euro).
Der Forderungsbestand ist um 5,4
Mio. Euro gesunken, wobei für eventuelle Ausfälle Wertberichtigungen auf
Forderungen und Besitzwechsel in Höhe von 1,8 Mio. Euro (Vj. 1,5 Mio. Euro)
berücksichtigt wurden.
Die sonstigen finanziellen Vermögenswerte
enthalten im Wesentlichen debitorische Kreditoren, Bonusforderungen gegen
Fahrzeughersteller, Darlehensforderungen, Forderungen gegen Versicherungen sowie
sonstige Forderungen.
Das Eigenkapital wuchs um 21,9 Mio. Euro oder 14,0
%, was zu einer Verbesserung der Eigenkapitalquote des HYMER-Konzerns, also des
Verhältnisses von Eigenkapital zur Bilanzsumme auf 42,3 % (Vj. 40,4 %) führte.
Die Eigenkapitalrendite ohne Berücksichtigung der Ertragsteuern ist bei
rückläufigem Ergebnis vor Steuern von 34,0 % im Vorjahr auf 26,4 % gesunken,
auch als Folge der Erhöhung des Eigenkapitals.
Die Gewinnrücklagen
erhöhten sich um 21,9 Mio. Euro oder 16,8 %.
Die langfristigen Schulden
veränderten sich gegenüber dem Vorjahr geringfügig auf 73,6 Mio. Euro, dies
entspricht einer Steigerung um 4,7 %.
Die Veränderung der sonstigen
finanziellen Schulden um 15,4 % oder 14,2 Mio. Euro von 92,0 auf 106,2 Mio. Euro
ergibt sich hauptsächlich aus dem Anstieg der Verbindlichkeiten gegenüber
Kreditinstituten, was auf die Aufnahme kurzfristiger Mittel zurückzuführen ist,
wobei die zugesagten Kreditlinien nicht ausgeschöpft wurden.
Dagegen
wurden die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen um 2,7 Mio. Euro von
40,4 Mio. Euro auf 37,7 Mio. Euro reduziert.
Die um 3,4 Mio. Euro
niedrigeren sonstigen kurzfristigen Verbindlichkeiten resultieren im
Wesentlichen aus Verbindlichkeiten gegenüber Mitarbeitern, Verbindlichkeiten im
Rahmen der sozialen Sicherheit und Verbindlichkeiten gegenüber Finanzämtern.
Forschung und Entwicklung
Die
Entwicklungsarbeiten werden an allen Standorten des HYMER-Konzerns durchgeführt.
Durch weiterhin innovative Produkte können wir unsere
Wettbewerbsposition festigen und ausbauen. Im Berichtsjahr 05/06 wurde ein
Wechsel der Chassis bei sämtlichen Baureihen umgesetzt, die Fahrzeuge
entsprechen mit ihren Motoren der EU-Norm 4 und damit den hohen Vorgaben zur
Reduzierung der Schadstoffbelastung sowie den neuesten Anforderungen bei
Fahrdynamik und Fahrsicherheit.
Des Weiteren wurden Entwicklungen bzgl.
Erweiterung der Produktpalette sowie der Überarbeitung und Anpassung der
Produktlinien vorgenommen.
Die im Geschäftsjahr 2005/06 aktivierten
Entwicklungskosten liegen um 4,4 Mio. Euro bzw. 172,2 % über Vorjahresniveau.
Die Herstellungskosten für Entwicklung umfassen dabei die direkt dem
Entwicklungsprozess zurechenbaren Kosten. Mit der Markteinführung der
Neuentwicklungen beginnt die planmäßige Abschreibung und läuft linear über die
jeweilige voraussichtliche Nutzungsdauer von in der Regel 5 Jahren.
Investitionen
Der HYMER-Konzern hat im
Geschäftsjahr 2005/06 über 31 Mio. Euro in Sachanlagen investiert. Im Vergleich
zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um fast 8 Mio. Euro. Ungefähr ein
Drittel dieser gesamten Investitionssumme ist allein am Standort Bad Waldsee für
die Erstellung einer neuen, hochmodernen Montagehalle samt technischen
Einrichtungen angefallen.
Ein ebenso nicht unerheblicher Teil des
Investitionsvolumens floss bei allen zum Konzern gehörenden Unternehmen in die
Herstellung bzw. Anschaffung von neuen Werkzeugen. Mit dem noch verbleibenden
Betrag wurden Ersatzinvestitionen getätigt oder in die Erhöhung des
Automatisierungsgrades investiert.
Die Einführung eines neuen
ERP-Systems verbessert die internen Abläufe, das Informationswesen und trägt
wesentlich dazu bei, die Unternehmenssteuerung zu optimieren.
Risikomanagement
Die Fortführung des
detaillierten monatlichen Berichtswesens und die interne Festlegung von
Risikofeldern sowie deren Erfassung und Kommunikation waren auch im
Berichtszeitraum ein wesentlicher Bestandteil des konzernweiten
Risikomanagements.
Dabei sind die wesentlichen Kennzahlen zum
Geschäftsverlauf, zu Planabweichungen und die kontinuierliche Beobachtung sowie
unverzügliche Meldung von Risiken elementarer Inhalt der Berichterstattung.
In einem speziellen Risikohandbuch sind die Elemente des
Risikofrüherkennungssystems, insbesondere die relevanten Systemkomponenten,
Funktionen und Verantwortungsträger detailliert dokumentiert.
Wie in den
Vorjahren wird die Geschäftsentwicklung maßgeblich durch den Export bestimmt.
Gemäß diesem Trend stieg die Exportquote im Vergleich zum Vorjahr um 1,5
Prozentpunkte von 65,4 auf 66,9 %. Dabei lagen die erfolgreichen Absatzmärkte
vorrangig in Westeuropa. Da wir ausschließlich in Euro fakturieren, besteht
keine Notwendigkeit Kurssicherungsgeschäfte abzuwickeln. Unsere Maßnahme, das
Finanzierungssystem bei Ausstellungsfahrzeugen im Geschäftsjahr 2001/02 in
Deutschland umzustellen, hat sich bis heute bestens bewährt. Diese Umstellung
hat zu einer wesentlichen Reduzierung der Handelswechsel geführt und somit das
Ausfallrisiko unserer Forderungen signifikant verringert.
Gleichwohl
behalten wir als zusätzliche Sicherung die für die Zulassung erforderlichen
Dokumente in Verwahrung. Mitarbeiter unseres Hauses führen darüber hinaus
regelmäßig Bestandskontrollen durch. Sollten unerwartete Risiken erkennbar
werden, so finden diese in der Ertragsrechnung durch entsprechende
Wertberichtigungen umgehend Berücksichtigung.
Sehr viel schwieriger
gestaltet sich die Finanzierung von Fahrzeugen im Ausland. Erfreulicherweise ist
es uns gelungen, mit einem europaweit tätigen Partner im Finanzierungsbereich
Verträge zu schließen, die es ermöglichen, Fahrzeuge im Ausland zu finanzieren
und somit das Ausfallrisiko nochmals deutlich zu reduzieren.
Beispielsweise können sich auch unternehmensintern Risiken durch die
nicht rechtzeitige Bereitstellung des Produktionsmaterials ergeben.
Produktionsausfälle oder -verschiebungen werden deshalb durch ein exakt
abgestimmtes Beschaffungssystem und eine sensible Planung im Bereich der
Basisfahrzeuge weitgehend reduziert. Außerdem vermindern strategische und
firmenübergreifende Maßnahmen im Einkaufsund Logistikbereich zusätzlich
eventuelle Risikofaktoren.
Nicht vorhersehbar sind Unsicherheiten durch
staatliche Maßnahmen. So können Vorgaben im Zeichen des Umweltschutzes oder im
Bereich der Sicherheitsstandards zu unerwarteten und erheblichen Mehrbelastungen
führen. Dazu gehört beispielsweise das Altfahrzeuggesetz, das die Entsorgung von
Altfahrzeugen durch die jeweiligen Hersteller regelt. Wir haben durch den Ansatz
von Rückstellungen für diese Belastungen Vorsorge getroffen. Eine Vielzahl
weiterer Regulierungen stellen für uns keine wesentlichen Risiken dar. Unser
Unternehmen kann aufgrund seiner Stärke und Innovationskraft die eventuellen
Auswirkungen derartiger Entwicklungen ausreichend abfedern.
Die
erforderliche Finanzstrategie zur Sicherstellung der Liquidität erfolgt auf
Basis einer mittel- und kurzfristigen Finanzplanung. Diesbezüglich erläutern wir
in regelmäßigen Gesprächen mit unseren Hausbanken die aktuelle
Geschäftsentwicklung des Konzerns und die Perspektiven der Branche generell.
Eine weitere Maßnahme im Rahmen des Risikomanagements war der Bau eines
überdachten Stellplatzes für maximal 900 Freizeitfahrzeuge, die zur Auslieferung
bereitstehen. In der Vergangenheit gefährdeten überdurchschnittlich oft
Hagelschäden diese Neufahrzeuge. Daraus ergab sich eine sinkende Bereitschaft
der Versicherungsunternehmen, die Schäden abzudecken und die Tendenz, den
verbleibenden Schutzanspruch mit stetig steigenden, hohen Prämien abzusichern.
Vor diesem Hintergrund wird sich die wirtschaftliche Investition in die
Überdachung binnen weniger Jahre amortisieren bei gleichzeitig umfassenden
Schutz unserer Neufahrzeuge durch die neue Anlage.
Ausblick
Das 1979 gegründete
BAT-Freizeit-Forschungsinstitut beurteilt in seiner Buchreihe „Zukunft, Bildung,
Lebensqualität“ die Freizeitwirtschaft als Deutschlands größten Arbeitgeber.
Weit über sechs Millionen Menschen sind in den einzelnen Freizeitsektoren
beschäftigt. Die Branchen Tourismus, Medien, Kultur, Sport und Unterhaltung sind
die Zukunftsmärkte, die auf absehbare Zeit Wachstum erwarten dürften. Die
Freizeitwirtschaft hat sich zur Leitökonomie der Zukunft entwickelt.
Wir
teilen weitgehend diese Aussagen und die damit verbundenen Prognosen für die
Zukunft. Dabei sind wir der festen Überzeugung, dass der HYMER-Konzern als
bedeutender Teil der europäischen Caravaningbranche von dieser Entwicklung in
starkem Maße profitieren wird. Weitere positive Faktoren, insbesondere für
unsere Branche, sind das wachsende Bedürfnis nach individueller
Urlaubsgestaltung, die enge Verbundenheit der Kunden zu unserer Urlaubsform, das
Kommunikationsverhalten und last but not least die demografische Entwicklung. So
heißt es in der Studie zum Thema Zukunft des Tourismus: "Wer also heute auf die
drei Generationen 50plus, 65plus und 80plus setzt, besetzt und besitzt die
Wachstumsfelder der Zukunft."
Der HYMER-Konzern hat diese Erkenntnisse
bereits in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzt und wird diese Entwicklung
auch zukünftig als wichtigen Bestandteil der Produkt- und Marketingpolitik
berücksichtigen.
Aktuell lassen alle die Caravaningbranche betreffenden
Statistiken und Prognosen die Schlussfolgerung zu, dass auch im kommenden Jahr
die Wachstumspotenziale überwiegend im Export liegen dürften. Dies um so mehr,
als sich die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung mit großer Wahrscheinlichkeit
absatzhemmend auswirken wird. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass die
Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 keine oder nur geringe Vorzieheffekte
brachte und somit der erhoffte Nachfrageschub ausblieb.
Der bereits
vielfach zitierte Chassiswechsel bei den Reisemobilen hat zur Folge, dass sich
alle Wettbewerbsfirmen mit neuen Reisemobilen am Markt präsentieren und zum Teil
auch neu positionieren. Diese in der Branche bis dato noch nie aufgetretene
Situation kann je nach Modellpolitik zu erheblichen Marktveränderungen führen
und die Absatz- und Umsatzerwartungen der einzelnen Firmen maßgeblich – sowohl
positiv als auch negativ – beeinflussen.
Aus diesem Grund hatten der
Caravan Salon Düsseldorf und die sich anschließenden europäischen Messen als
Plattform für unsere neuen Modelle eine besondere Bedeutung. Die Akzeptanz durch
den Kunden dient als Gradmesser unserer Modellpolitik und ist entscheidend für
die erfolgreiche Unternehmensentwicklung in den nächsten Jahren.
Die
erzielten Messeergebnisse und die europaweit große Nachfrage nach Reisemobilen
der Marken HYMER, Niesmann+Bischoff, Bürstner und Laika bestätigen die
erfolgreiche Modellpolitik der einzelnen Unternehmen. Obwohl es dem Haus HYMER
noch nicht gelungen ist, die vom Handel bestellten Vorführfahrzeuge
termingerecht auszuliefern, ist die Produktionskapazität aufgrund der zahlreich
eingegangenen Kundenaufträge und Dispositionen des Handels für das laufende
Geschäftsjahr trotz Kapazitätssteigerung ausgeschöpft.
In dieser
Entwicklung der Marke HYMER sehen wir die Bestätigung, dass wir ungeachtet der
erheblichen Schwierigkeiten und der noch vor uns liegenden Probleme eine sehr
erfolgreiche Entwicklungs- und Modellpolitik über alle Baureihen unseres
Reisemobilprogramms betrieben haben, die es uns erlaubt, positiv in die Zukunft
zu blicken. Bestätigt wird dabei auch nachträglich die Entscheidung für den Bau
der neuen Montagehalle mit einer Grundfläche von rund 24.000 Quadratmeter, die
es erst ermöglicht, die erforderliche Kapazität bereitzustellen. Die
schrittweise Inbetriebnahme erfolgt ab Januar 2007 und wird voraussichtlich
Anfang 2008 abgeschlossen sein. Obwohl aufgrund der Produktionsverlagerung
spürbare Produktivitätssteigerungen zu erwarten sind, wird der in Etappen
durchzuführende Umzug der einzelnen Montagebänder kurzfristig zu
Produktivitätsverlusten führen.
Mit der aktuellen Produktion befinden
wir uns noch bei einer Vielzahl von Reisemobilmodellen in der
Produktionsanlaufphase, die zu erhöhten Produktionskosten pro Stück führt.
Erhebliche Belastungen ergeben sich trotz aller durchgeführten, gegensteuernden
Maßnahmen aus einer unverändert anhaltenden, nicht termingerechten
Materialbereitstellung seitens einer Vielzahl von Lieferanten, was zu unfertig
vom Band laufenden Fahrzeugen führt. Nachdem zum Nachrüsten dieser Fahrzeuge
qualifiziertes Personal benötigt wird, das wiederum auch in den
Produktionsprozess integriert ist, wird sich dieser Nachrüstprozess
voraussichtlich noch bis in das Frühjahr erstrecken und auch mit Mehrkosten
verbunden sein.
Entgegen unseren Erwartungen ist es trotz Einsatz
externer Unterstützung und eines umfangreichen Maßnahmenplans, der in
wesentlichen Elementen umgesetzt wurde, nicht gelungen, den angestrebten "turn
around" bei der Hymer France S.A.S. zu realisieren. Zur Erreichung dieses Zieles
und der angestrebten Standortsicherung wurden daher auf Managementebene wichtige
Personalentscheidungen getroffen. So obliegt die Führung des Unternehmens
zukünftig zwei neu ernannten Geschäftsführern, die sich analog der bewährten
Führungsstruktur in den anderen Konzernfirmen die Aufgabenbereiche Technik,
kaufmännische Verwaltung und Vertrieb/ Marketing teilen. Ergänzend hierzu wurden
die für die Unternehmensentwicklung sehr bedeutsamen Funktionsbereiche
Produktion und Qualitätssicherung neu besetzt. Begleitet werden diese Maßnahmen
durch eine bereits teilweise umgesetzte Standardisierung der in Cernay und Bad
Waldsee produzierten Reisemobile, um sowohl Entwicklungs- als auch
Produktionskosten einzusparen.
Die Neustrukturierung des Standorts
Cernay wird kurzfristig zu einem Mehraufwand führen und damit auch das Ergebnis
des Geschäftsjahres 2006/07 belasten.
Diese Sonderfaktoren, die in ihrer
quantitativen Auswirkung schwer zu erfassen sind, erlauben es uns derzeit nicht,
eine exakte Prognose für das Ergebnis der HYMER AG im laufenden Geschäftsjahr
abzugeben. Es ist jedoch aufgrund der bereits eingetretenen Belastungen davon
auszugehen, dass es trotz aller Anstrengungen und Bemühungen voraussichtlich
nicht mehr möglich sein dürfte, die Umsatzwerte und das Ergebnis vor
Ertragsteuern des Geschäftsjahres 2005/06 zu erreichen.
Diese Aussagen
gelten auch für die Ausführungen zu den jeweiligen Firmen des HYMER-Konzerns.
Lediglich der Umfang der Belastungen aus dem Modellwechsel ist – entsprechend
der Anzahl der eingesetzten Basisfahrzeuge und dem Umfang der umgesetzten
modellpolitischen Veränderungen – unterschiedlich.
Chancen
Die bereits seit längerer Zeit sichtbar
steigende Nachfrage nach preiswerten Caravans und Reisemobilen können wir
aufgrund unserer Angebots- und Kostenstruktur nur unzureichend bedienen. Zur
zukünftigen Absicherung unserer Vertriebsstruktur, zur Gewinnung neuer
Zielgruppen und Absicherung unseres eigenen Vertriebsprogramms war die
Entscheidung für ein Gemeinschaftsunternehmen der HYMER AG und der Dethleffs
GmbH & Co. KG, das sich auf die Produktion von Caravans und Reisemobilen im
Preiswert-Segment konzentriert, zwingend erforderlich.
Mit dieser
Zielsetzung erfolgte am 12. Juli 2005 die Gründung der CAPRON GmbH. Der Start
der Produktion wird Ende November 2006 erfolgen. Die für die HYMER AG
produzierten Fahrzeuge werden im Rahmen einer neu gegründeten und eigenständigen
100-prozentigen Tochtergesellschaft, die unter dem Namen Carado GmbH firmiert,
vertrieben. Die Produkteinführung erfolgte erstmals im Rahmen des Caravan Salon
Düsseldorf. Die Resonanz der Kunden und der Händlerschaft entspricht unseren
Erwartungen und ist zugleich Bestätigung unserer Entscheidung. Aufgrund der
Produktanlaufkurve erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr 2006/07 ein
Absatzvolumen von circa 500 Freizeitfahrzeugen.
Wenngleich die
Modellentwicklung für den Unternehmenserfolg eine herausragende Bedeutung hat,
muss diese dennoch auch durch innovative Verkaufsstrukturen begleitet und
unterstützt werden. Dementsprechend wurde das bereits im Geschäftsbericht
2004/05 publizierte Projekt EXPOCAMP am 23. September 2006 im Beisein des
Ministerpräsidenten von Baden- Württemberg, Herrn Günther H. Oettinger eröffnet.
Das als Vertriebs- und Servicezentrum konzipierte EXPOCAMP, eingebunden in das
bestehende Netzwerk von kompetenten Handelspartnern des HYMER-Konzerns, wird zu
einem weiteren Imagegewinn der beteiligten Firmen und zu einer Stärkung der
Marktstellung beitragen. Der Messecharakter von EXPOCAMP erschließt uns neue
Interessenten für unsere Urlaubsform und unsere Produkte, Besitzer von Caravans
und Reisemobilen genießen das Ambiente und nutzen das umfangreiche Angebot an
Service- und Dienstleistungen.
Die Neugestaltung der Reisemobile hat bei
allen Konzernmarken händler- und kundenseitig große Zustimmung erfahren. Damit
ist für die nächsten Jahre die Basis einer positiven Unternehmensentwicklung
geschaffen. Insbesondere LAIKA hat aufgrund permanent gestiegener Imagewerte und
einer sehr marken- und händlerorientierten Vertriebspolitik noch erhebliches
Wachstumspotential, das jedoch in den derzeitigen Produktionsstätten nur bedingt
zu realisieren ist. Umso bedauerlicher ist es, dass sich das
Genehmigungsverfahren für den Werksneubau unerwartet in die Länge zieht. Wir
gehen davon aus, dass erst im Kalenderjahr 2008 mit einer Inbetriebnahme des
neuen Produktionswerkes zu rechnen ist.
Beziehungen zu
verbundenen Unternehmen
Auf eine positive Absatz- und
Umsatzentwicklung kann die im Zubehör-Großhandel tätige Movera GmbH
zurückblicken, obwohl sich durch neue Anbieter aus dem Bereich der Discounter
der Wettbewerbsdruck verschärft hat. Ein neues Shopkonzept, das beispielhaft bei
der EXPOCAMP umgesetzt wurde, soll der Handelsorganisation als Vorbild dienen
und dazu beitragen, die Umsätze u. a. durch entsprechende Produktpräsentation zu
steigern.
Die Erreichung der Unternehmensziele wird maßgeblich davon
abhängen, inwieweit es gelingt, die Probleme, die in erheblichem Maße durch
nicht termingerechte Materialbereitstellung der Zulieferindustrie verursacht
sind, schnell zu lösen.
Nur dadurch ist es möglich, wieder zu stabilen
Produktionsprozessen zurückzufinden und die geplante Produktionsleistung zu
erreichen.
Positiv ist zu vermerken, dass der Konzern modellpolitisch
hervorragend aufgestellt ist und damit die Basis für ein gesundes Wachstum in
den kommenden Jahren gelegt ist.
Weitere Vorgänge von besonderer
Bedeutung nach Abschluss des Geschäftsjahres sind nicht eingetreten.
Der
Vorstand erklärt gemäß § 312 Absatz 3 AktG, dass unsere Gesellschaft nach den
Umständen, die zu dem Zeitpunkt bekannt waren, in dem das Rechtsgeschäft
vorgenommen wurde, bei jedem Rechtsgeschäft eine angemessene Gegenleistung
erhielt.
