Arbeiten bei HYMER prägt!

Weißt Du noch? Drei ehemalige HYMER-Mitarbeiter im Gespräch.

Max Ludy, Max Rothenhäusler und Hans Haugg arbeiteten Jahrzehnte lang für HYMER. Hier verraten sie die besten Anekdoten aus dieser Zeit.

Die drei HYMER-Balken sind in unsere Herzen eingebrannt, die kriegt man nicht mehr los“, sagt Max Rothenhäusler. Die beiden anderen nicken zustimmend. „So ist es“, sagt Max Ludy in breitem Schwäbisch, das hier in der Gegend fast alle sprechen. Rothenhäusler, Ludy und der dritte in der Runde, Hans Haugg, haben eine große Gemeinsamkeit: Sie arbeiteten bis zu ihrer Rente für das Unternehmen HYMER – und sie tun es trotz ihres Ruhestandes immer noch, zwei direkt, einer indirekt: Rothenhäusler führt Besucher durch die Produktionshallen und erklärt, wie die Reisemobile entstehen. Haugg repräsentiert das Unternehmen bei Messen oder Händlern. Und Ludy ist einer der Führer des Erwin Hymer Museums.

Mehrere Jahrzehnte haben sie alle „beim HYMER geschafft“. Und viel erlebt. Im Werk und auch im Urlaub. Denn selbst in die Ferien fuhr der Arbeitgeber gewissermaßen mit. „Wir haben für den Urlaub ein Wohnmobil oder einen Caravan zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt Max Rothenhäusler. „Dafür mussten wir aber auch alles notieren, was uns aufgefallen ist, und Verbesserungsvorschläge machen.“ Seine Frau habe seitdem wenig Lust auf Campingurlaub: Selbst beim Kochen stand Gatte Max hinter ihr, machte Notizen. „Damit habe ich ein ehernes Campergesetz gebrochen.“ Frauen müssten in der Küche in Ruhe gelassen werden, so Rothenhäusler.

„Meine Frau ist immer noch leidenschaftliche Camperin“, sagt dagegen Hans Haugg. „Wir haben unsere Hochzeitsreise mit dem Wohnwagen gemacht und besitzen schon das zehnte Reisemobil.“

Max Ludy, der über 40 Jahre und damit am längsten im Unternehmen arbeitete, war einer der ersten, der mit einem Caravan von HYMER verreiste. Nach Italien zog es ihn und seine Frau, wie so viele Deutsche zu der Zeit. „1963“, erinnert er sich, „bin ich zum ersten Mal mit dem Wohnwagen in den Urlaub gefahren. Es gab drei Autos bei HYMER: einen Ford, einen VW und den 220er Mercedes vom Seniorchef.“ Dass Erwin Hymers Vater Alfons ihn beiseite nahm und großzügig sagte: „Herr Ludy, Sie nehmen mein Auto“, beeindruckt ihn heute. „14 Tage hat der auf sein Auto verzichtet!“

Max Ludy mit einem Modell des Stahlgerippes eines Trolls in der Hand.

Lässt man die drei erzählen, kommen sie immer wieder auf den „Chef“ zu sprechen. Wie Erwin Hymer sie mit dem Versprechen, eine Feier zu veranstalten, einst dazu gebracht hat, die Produktionszahlen in kurzer Zeit zu steigern. „Das versprochene Fest anschließend kann man durchaus als rauschend bezeichnen“, sagt Max Rothenhäusler und lacht. Wie er – typisch, wenn Erwin Hymer sich in etwas vertiefte – die Welt um sich herum vergessen konnte.

Einmal, erzählt Hans Haugg, hätten sie zusammen bis spät in die Nacht über irgendwelchen Plänen gesessen. Da fragte Erwin Hymer seinen immer nervöser werdenden Mitarbeiter: „Herr Haugg, warum sind Sie denn so unruhig?“ Dessen Antwort: „Herr Hymer, ich habe eine hochschwangere Frau zuhause!“ Oh je, hätte der Chef dann gerufen, ich ja auch! „Jetzt kriegen wir beide Ärger, hat er zu mir gesagt. Und: Ab nach Hause!“

„Und er war immer offen für neue Ideen“, sagt Max Ludy. Als er Erwin Hymer vorschlug, man könne doch eine Fußballmannschaft für den Betriebssport gründen, sei dieser Feuer und Flamme gewesen. Sogar mitgekickt habe der Chef. Ludy, der Libero spielte, erinnert sich: „Der allerbeste Fußballer war er nicht. Aber er hatte die Gabe, oft richtig zu stehen und ein Tor zu erzielen.“

Erzählt Ludy, klingt das wie eine Live-Übertragung aus einer anderen Zeit. Ja, sagt er, die 1960er-Jahre seien eben besonders toll gewesen. „Das war auch die Zeit der Selbstabholer. Wo heute das HYMER Zentrum Oberschwaben steht, war früher alles Wiese“, sagt Rothenhäusler. „Die Kunden haben dort ein oder zwei Nächte verbracht und auf ihren Caravan gewartet. Wir konnten nicht auf dem gewohnten Weg vom Firmengelände nach Hause gehen. Ständig wurde man sonst gefragt, ob man noch ein paar Biere mittrinken wolle.“

Ein Kunde aus Frankreich, der einen Puck besaß, habe den Trinkwassertank sogar immer mit Rotwein gefüllt. Schmuggelware. „Damals gab‘s den Zoll ja noch“, sagt Ludy. „Der Franzose hat uns nach Feierabend am Tor dann mit Wein versorgt.“

Auch der ein oder andere Prominente schwor damals auf HYMER-Produkte und blieb ein paar Tage.„Chris Howland zum Beispiel, der englische Schlagersänger und Moderator, wollte Sondereinbauten in seinem Reisemobil. So lange die Arbeiten dauerten, ist er hier in Bad Waldsee geblieben. Und abends hat er alle, die an seinem Fahrzeug arbeiteten, eingeladen und für sie eine Mordsgaudi veranstaltet“, sagt Rothenhäusler.

Was Ludy, Rothenhäusler und Haugg vermissen? Die Bahnverladungen früherer Zeit, zum Beispiel. Die 250 Puck-Caravans für die USA, verladen auf 42 Waggons mit je sechs Wohnwagen, das sei ein großartiges Bild gewesen. Auftraggeber war ein deutscher Auswanderer, den sie aufgrund seiner Kriegsverletzung den einarmigen Müller nannten. „Manchmal pfiff der Zug von Weitem und man wusste, bald muss verladen werden“, sagt Rothenhäusler. Doch manchmal seien die Fahrzeuge noch auf dem Band gewesen. Es musste also zügig gehen. „Darum hat’s auch den Kerl, der damals die Fahrzeuge verlud, mal erwischt.“ Der hatte das letzte Fahrzeug so spät verladen, dass er es nicht mehr vom abfahrenden Zug schaffte. Nächster Halt: Holland. „Der Chef hat ihn dann dort abgeholt.“

An welche Modelle haben sie gute Erinnerung? „Wann war das, als wir den Mitsubishi auf den Wohnwagen gestellt haben?“, fragt Rothenhäusler. „1984,“ antwortet Hans Haugg. „Den Kopf wollten sie uns abreißen, weil wir das gemacht haben. Und heute ist das Bild ein Highlight in jeder Chronik.

„Der Mitsubishi mit seinen zwei Längsbetten war ideal für den Familienurlaub“, erinnert sich Rothenhäusler. „Nur: Der wurde im Fahrerhaus sehr warm, weil man ja quasi auf dem Motor saß. Eine Qual war das im Sommer! Ich weiß noch, dass die Kinder während der Fahrt auf auf den Tisch gehüpft sind, von da aus rein in den Alkoven, wieder runter auf den Tisch. Dazu die Hitze, ich wurde fast wahnsinnig. Gelaufen ist das Auto aber wie die Hölle.“

„Der Mitsubishi war ein echtes Erfolgsmodell“, sagt Haugg. „Sicherheitstechnisch aus heutiger Sicht eine Katastrophe, aber wir waren in der Lage, ein komplettes Reisemobil unter 30.000 Mark auf den Markt zu bringen.“ Am Band von Max Ludy hätten sie bis zu 17 Stück am Tag hergestellt. „Der Wagen hatte die komplette Technologie von HYMER und den PUAL-Aufbau“, erklärt Haugg. „Das war neben dem Preis wohl der Grund für den Erfolg. Der ist weggegangen wie frisch geschnittenes Brot.“

Auch die Zeit der ersten Gastarbeiter haben die drei erlebt. „Die Italiener zum Beispiel, die waren oft sehr hitzig“, erinnert sich Rothenhäusler. Dann seien die Spanier und Jugoslawen gekommen. Und schließlich gab es die große Welle türkischer Einwanderer. Die Kollegen aus der Türkei seien ihnen am liebsten gewesen. „Durch die Sprachprobleme gab es aber manch lustige Anekdote“, sagt Haugg. „Am Hubbett zum Beispiel mussten die Schrauben mit Loctite, einem speziellen Klebstoff, gesichert werden. Das hat der Max Ludy dem türkischen Kollegen erklärt. Nimm dieses Öl für diese Schraube! Das hat der getan – und dieses Öl später leider auch für seine Bohrmaschine zum Schmieren verwandt.“

Ludy, Rothenhäusler und Haugg beginnen ihre Sätze oft mit „Wir, als Firma HYMER...“. Unterbräche man sie nicht, würden sie stundenlang erzählen: Max Ludy, der als Schreinermeister Leiter an einem der Produktionsbänder war, schwärmt dann von Erwin Hymer, mit dem er die Exponate fürs Museum zusammengesucht hat. Max Rothenhäusler, einst Leiter der Abteilung Fahrzeugausbau, spricht von dem Kollegen, den er auf einer Betriebsfeier dabei ertappte, als der im Wurstkessel nach seinem verlorenen Gebiss suchte. Und Hans Haugg, der ehemalige Leiter der PUAL-Schäumerei, berichtet beeindruckt von Erwin Hymer, der die Stabilität eines neuen Hubbetts mit einem waghalsigen Sprung auf selbiges testete.

Das Schlusswort spricht Haugg für alle drei: „Das Produkt, das wir 30 oder 40 Jahre lang bauen durften, ist ein tolles Produkt. Es ist nicht anonym. Auf der Autobahn erkennt man schon von Weitem: Da kommt ein HYMER – einer von uns! Und wir haben ein Produkt gebaut für die schönste Zeit des Jahres der Kunden: für den Urlaub. Darum können wir uns noch heute mit HYMER so stark identifizieren.“